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Progesteron

Progesteron

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Strukturformel
Allgemeines
FreinameProgesteron
Andere Namen

Pregn-4-en-3,20-dion

SummenformelC21H30O2
Kurzbeschreibung

farblose Kristalle[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer57-83-0
EG-Nummer200-350-6
ECHA-InfoCard100.000.318
PubChem5994
ChemSpider5773
DrugBankDB00396
WikidataQ26963
Arzneistoffangaben
ATC-Code

G03DA04

Wirkstoffklasse

Gestagen

Eigenschaften
Molare Masse314,47 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

127–131 °C (α-Form) oder 121 °C (β-Form)[2]

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[3]

Gefahr

H- und P-SätzeH: 351360FD362
P: 201202260263264308+313[3]
Toxikologische Daten

327 mg·kg−1 (LD50, Maus, i.p.)[4]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).

Das C21-SteroidhormonProgesteron ist der wichtigste Vertreter der Gestagene (Gelbkörperhormone). Die Verbindung gehört zur Gruppe der Sexualhormone. Es handelt sich um die Basisstruktur der Progestine, der synthetischen Gestagen-Analoga.

Bei Frauen wird Progesteron hauptsächlich vom Corpus luteum (Gelbkörper) in der zweiten Phase des Menstruationszyklus und in wesentlich höheren Mengen während der Schwangerschaft von der Plazenta gebildet. Bei Männern bilden die Leydig-Zwischenzellen in den Hoden den Hauptanteil. Geringe Progesteronmengen werden bei Frauen und Männern auch von der Nebennierenrindesynthetisiert. Im menschlichen Organismus wird Progesteron aus Cholesterin synthetisiert.

Progesteron regt das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut an und bereitet diese auf die Einbettung einer befruchteten Eizelle vor. Kommt es zu einer Befruchtung der Eizelle, verhindert Progesteron eine weitere Follikelreifung; kommt es hingegen zu keiner Empfängnis, vermindert sich die Progesteronproduktion wieder und die Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen und ausgeschieden.

Entdeckung

Progesteron wurde 1934 unabhängig von vier Arbeitsgruppen entdeckt: Willard Myron Allen, George W. Corner und Oskar Wintersteiner in den USA, Max Hartmann (1884–1952) und Albert Wettstein in der Schweiz, Adolf Butenandt und Ulrich Westphal sowie Heinrich Ruschig und Karl Slotta in Breslau.[5][6][7][8][9]

Willard Myron Allen entdeckte Progesteron zusammen mit seinem Anatomieprofessor George Washington Corner an der University of Rochester Medical School im Jahr 1933 und bestimmte als erster Schmelzpunkt, Molekülmasse und Partialstruktur. Er gab der Verbindung den Namen Progesteron, abgeleitet von Progestational Steroidal Keton.[10] Corner und Allen entwickelten 1928 am Kaninchenendometrium einen Test zur Bestimmung der Progesteron-Aktivität.[11]

Eigenschaften

Volumenmodell von Progesteron

Progesteron ist ein kristalliner Feststoff. Die Verbindung tritt in drei polymorphen Kristallformen auf, die sich anhand ihres Schmelzpunktes unterscheiden lassen. Die thermodynamisch stabile Form I (α-Form) schmilzt bei 129 °C (ΔfH = 26,17 kJ/mol). Die beiden anderen Formen – Form II oder β-Form (Smp. 122 °C, ΔfH = 21,42 kJ/mol) und Form III (Smp. 104 °C, ΔfH = 16,13 kJ/mol) – sind metastabil und stehen monotrop zur Form I.[12]

Physiologie

Schematische Darstellung der Biosynthese der Steroidhormone

Progesteron wird vor allem im Corpus luteum von den Granulosazellen und in der Plazenta synthetisiert und ausgeschüttet, in geringeren Mengen auch von anderen Geweben. Die Synthese geht vom Pregnenolon aus und benötigt das Enzym3β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase.

Die Ausschüttung des Hormons wird durch LH stimuliert. Die Freisetzung bewirkt die Dezidualisierung, eine für die Nidation benötigte Modifikation des proliferiertenEndometriums, besonders deren Lamina functionalis, die dadurch drüsenreich und stark durchblutet wird (dann als Dezidua bezeichnet) sowie eine Anpassung der Uterusmuskulatur an den wachsenden Embryo.

In manchen steroidproduzierenden Zellen der Gonaden fungiert das Progesteron als Ausgangsstoff für die Synthese von Androgenen und Estrogenen.

Progesteron wird zu Pregnandiol metabolisiert und nach Glucuronidierung über den Urin ausgeschieden.

Pathophysiologie

Erhöhte Progesteronwerte ergeben sich neben der Schwangerschaft vor allem bei Eierstocktumoren und beim adrenogenitalen Syndrom (AGS). Bei Zyklusstörungen und beim sogenannten Hypogonadismus, einer Unterentwicklung der Eierstöcke, ist die Progesteronkonzentration verringert.

Verwendung

Progesteron wird zur Therapie der Endometriose verwendet.

Außerdem wird Progesteron in der Hormonersatztherapie eingesetzt; Progestagene (Progesteron-Derivate) dienen in der Minipille zur Empfängnisverhütung.

Herstellung

Progesteron wird technisch in großen Mengen durch oxidativen Abbau von Stigmasterol (im Sojabohnenöl enthalten), Solanum-Alkaloiden oder aus dem SapogeninDiosgenin gewonnen, das aus plantagenmäßig angebauten Yamswurzelgewächsen (Dioscoreaceae) isoliert wird.[1]

Handelsnamen

Monopräparate

  • Arefam (A)
  • Crinone (D, CH)
  • Progestogel (D, CH)
  • Prolutex (D, CH)
  • Utrogest (D, CH)
  • Utrogestan (A, F)
  • Generikum (CH)

Siehe auch

Literatur

  • Lois Jovanovic, Genell J. Subak-Sharpe: Hormone. Das medizinische Handbuch für Frauen. Aus dem Amerikanischen von Margaret Auer. Kabel, Hamburg 1989, ISBN 3-8225-0100-X, S. 34, 88–92, 148 f., 204 ff., 384 und öfter (Originalausgabe: Hormones. The Woman’s Answerbook. Atheneum, New York 1987).
Wiktionary: Progesteron – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. 12345Eintrag zu Progesteron. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 9. Dezember 2014.
  2. The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage. 2006, ISBN 0-911910-00-X, S. 1337.
  3. 12Datenblatt Progesterone ≥ 99 % bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 10. November 2021 (PDF).
  4. Eintrag zu Progesterone in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM) (Seite nicht mehr abrufbar)
  5. A Butenandt, U Westphal: Zur Isolierung und Charakterisierung des Corpusluteum-Hormons. In: Berichte Deutsche chemische Gesellschaft. Band 67, 1934, S. 1440–1442, doi:10.1002/cber.19340670831.
  6. M Hartmann, A Wettstein: Ein krystallisiertes Hormon aus Corpus luteum. In: Helvetica Chimica Acta. Band 17, 1934, S. 878–882, doi:10.1002/hlca.193401701111.
  7. KH Slotta, H Ruschig, E Fels: Reindarstellung der Hormone aus dem Corpusluteum. In: Berichte Deutsche chemische Gesellschaft. Band 67, 1934, S. 1270–1273, doi:10.1002/cber.19340670729.
  8. WM Allen: The isolation of crystalline progestin. In: Science. Band 82, Nr. 2118, 1935, S. 89–93, doi:10.1126/science.82.2118.89, PMID 17747122.
  9. W. M. Allen, Oskar Wintersteiner, Crystalline progestin, J. Biolog. Chem., Band 107, 1934, S. 321–335
  10. WM Allen: Progesterone: how did the name originate? In: South. Med. J. Band 63, Nr. 10, 1970, S. 1151–1155, PMID 4922128.
  11. Hans Heinz Simmer, Jochen Süss: Der Corner-Allen-Test. Die Entwicklung eines spezifischen semiquantitativen biologischen Nachweisverfahrens für das Gelbkörperhormon (Progesteron). In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen, 1998, 17, S. 291–313, insbesondere S. 304–308.
  12. B. Legendre, Y. Feutelais, G. Defossemont: Importance of heat capacity determination in homogeneous nucleation: application to progesterone. In: Thermochim. Acta, 2003, 400, S. 213–219; doi:10.1016/S0040-6031(02)00492-6.