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Liste jüdischer Feste

Liste jüdischer Feste

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Eine Sukka (Laubhütte) zum Laubhüttenfest (Sukkot) in der Reform-Synagige Emanu-El in Manhattan, New York.

Diese Aufzählung der Feste in einer Liste gibt eine Übersicht über Jüdische Feste oder Jamim Towim, (hebräischיָמִים טוֹבִיםjāmīm ṭōwīm, deutsch ‚Gute Tage‘), gegliedert nach den Festen im Jahreskreis und Tagesteilung der jüdischen Zeitrechnung, den neueren staatlich-israelischenFeiertagen sowie den sonstigen Feier- und Fasttagen des Judentums.[1]

Biblische Feste im Jahreskreis

Jeder Festtag beginnt am Vorabend, denn im jüdischen Kalender dauert der Tag vom Vorabend bis zum Abend des Tages – nicht von 0 bis 24 Uhr. Dies ist abgeleitet aus dem 1. Buch Mose, hebräischבְּרֵאשִׁיתBereschit, (altgriechischΓένεσιςGénesis genannt) hebräischוַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם אֶחָֽד (vayhi erev vayhi boker yom echad): „und es ward Abend und es ward Morgen, ein Tag“. Beispielsweise beginnt Rosch ha-Schana (12. – 13. September 2026), das Neujahrsfest, am 11. September abends (am Ende des 29. Elul abends). Der abendliche Beginn wird mit dem Wort Erev (hebräischערבAbend) bezeichnet, damit ist die Bezeichnung für den Vorabend im genannten Beispiel: Erev Rosch ha-Schana.

Der jüdische Kalender orientiert sich bei der Monatszählung am Mond (Mondkalender), und da zwölf Monde kürzer sind als ein Sonnenjahr, wird dieses durch einen zusätzlichen Schaltmonat (Adar II) ausgeglichen. Aus diesem Grund fallen die jüdischen Feiertage immer wieder auf andere Kalendertage im (weltlichen) gregorianischen Kalender. Die Zulässigkeit der Verwendung des gregorianischen Kalenders ist in orthodoxen jüdischen Kreisen umstritten. Aus pragmatischen Gründen wird, wenn es doch nötig sein sollte, die Schreibweise verändert. Die Jahreszahl wird nicht ausgeschrieben, sondern nur die letzten beiden Ziffern verwendet. Dadurch verlöre diese Zahl ihre Bedeutung, nämlich der Zählung seit dem Geburtsjahr von Jesus. Der Monat wird als Zahl geschrieben, weil die Namen der nichtjüdischen Monate hauptsächlich auf römischen Göttern basieren. So soll beispielsweise der 1. Januar 2024 als 01/01/24 geschrieben werden.[2]

Beginn jeweils am Vorabend
Name des Festes*hebräischÜbersetzungBedeutungTag im Monat2026
5786**)
2026
5787**)
Rosch ha-Schanaרֹאֹשׁ הַשָּׁנָהHaupt des Jahres,
Anfang des Jahres
Neujahrsfest
Tag der Erschaffung des Menschen (Adams)
1.–2. Tischri 12. bis 13. September 2026
Jom Kippurיוֹם כִּפּוּרTag der SühneVersöhnungstag
Befreiung von Sünden
10. Tischri 21. September 2026
SukkotסֻכּוֹתLaubhüttenLaubhüttenfest15.–22. Tischri 26. September – 3. Oktober 2026
Hoschana Rabbaהושענא רבה„So hilf doch!“der siebte Festtag von Sukkot
Palmfest
21. Tischri 2. Oktober 2026
Schmini Azeretשְּׁמִינִי עֲצֶרֶתSchlussfest
der achte Festtag...
… von Sukkot22. Tischri 3. Oktober 2026
Simchat Toraשִׂמְחַת תּוֹרָהTorafreudeLesung des letzten Abschnitts
des 5. Buches Mose und
Neubeginn der Lesung des
ersten Abschnitts des
1. Buches Mose
23. Tischri 4. Oktober 2026
Sigd (Mehlella)סיגדFußfall, Bittgebet; Feiertag der
äthiopischen Juden
(Beta Israel)
Datum, an dem Gott sich Mose offenbarte
(50 Tage nach Jom Kippur)
29. Cheschwan 9. November 2026
ChanukkaחֲנֻכָּהEinweihungLichterfest
Wiedereinweihung des zweiten Tempels
25. Kislew – 2/3. Tevet 5. bis 12. Dezember 2026
Tu biSchevatט״ו בשבט
ראש השנה לאילנות
der 15. Schevat
Rosch ha-Schana La'illanot
Neujahrsfest der Bäume und Sträucher.15. Schevat2. Februar 2026 
PurimפוריםSchicksalErrettung aus Persien
Freudenfest („Jüdische Fastnacht“)
14. oder 15. Adar3. März 2026 
PessachפֶּסַחÜberschreitungAuszug aus Ägypten15.–22. Nisan,
in Israel bis
zum 21. Nisan[3]
2. bis 9. April 2026 
Lag baOmerל"ג בעומר33. [Tag]
der Omer[zeit]
Bar-Kochba-Aufstand gegen die Römer18. Ijjar5. Mai 2026 
SchawuotשבועותWochenfestneuerlicher Empfang der
Zehn Gebote
Erntedankfest
6.–7. Siwan22. bis 23. Mai 2026 
Tischa beAvתשעה באבder 9. AwTrauertag wegen Zerstörung
des Jerusalemer Tempels
9. Aw23. Juli 2026 
Tu B’Avט"ו באבder 15. AwSieg der Pharisäer über die Sadduzäer15. Aw 27. Juli 2026 

* ist gleichzeitig Transliteration der hebräischen Bezeichnung
**Jüdisches Jahr

Halbfesttage im Judentum

Als Halbfesttage gelten im Judentum Tage mit festlichem Charakter, an denen jedoch keine vollständige Arbeitsruhe, wie an Schabbat oder Jom Tow, allgemein biblischen Feiertagen vorgeschrieben ist. Sie sind durch besondere liturgische Elemente gekennzeichnet und stehen zwischen Alltäglichem und Heiligem. Arbeit ist meist erlaubt oder nur eingeschränkt untersagt. Zu den wichtigsten Halbfesttagen zählen:

Chol HaMoed (hebräischחול המועדChol HaMo'ed, „Werktage des Festes“)

Die Zwischentage von Pessach und Sukkot, an denen viele Elemente des Festtagsgottesdienstes beibehalten werden.
Gebete wie Mussaf (hebräischמוסף), Hallel (hebräischהלל) sowie eine besondere Toravorlesung werden gesprochen.
Arbeit ist eingeschränkt erlaubt, z. B. für den Lebensunterhalt oder zur Vorbereitung auf den Feiertag.

Rosch Chodesch (hebräischראש חודשRosch Chodesch, „Monatsbeginn“)

Der erste (und ggf. zweite) Tag eines neuen Monats im jüdischen Kalender.
In der Liturgie werden das Zusatzgebet Mussaf, der Einschub Ja'ale WeJawo, (hebräischיעלה ויבוא) und ein verkürztes Hallel gesprochen.
Kein Arbeitsverbot, aber erhöhter liturgischer Status.

Chanukka (hebräischחנוכה, „Einweihung“)

Acht Tage zur Erinnerung an die Wiedereinweihung des Tempels nach dem Makkabäeraufstand.
Es werden Lichter entzündet, Hallel gesprochen und der Einschub Al ha-Nissim, (hebräischעל הנסים) in die Gebete eingefügt.
Arbeit ist erlaubt, es besteht aber festlicher Brauchcharakter.

Purim (hebräischפורים, „Lose“)

Feiertag zur Erinnerung an die Rettung der Juden im Perserreich (Buch Ester).
Die Megillat Esther (hebräischמגילת אסתר) wird gelesen, Geschenke an Freunde (Mischloach Manot, hebräischמשלוח מנות) und Spenden an Bedürftige (Matanot laEvjonim, hebräischמתנות לאביונים) gegeben.
Arbeit ist erlaubt, wird aber vielerorts vermieden.

Isru Chag (hebräischאסרו חג, „Bindet das Fest“)[4]

Der Tag nach einem Wallfahrtsfest (Pessach, Schawuot, Sukkot).
Kein offizieller Feiertag, aber festlicher Ausklang mit liturgischer Hervorhebung in manchen Gemeinden.
Arbeit ist uneingeschränkt erlaubt.

Neuere israelische Gedenk- und Feiertage

Beginn jeweils am Vorabend
Name des TageshebräischBedeutungTag im Monat2026202720282029
Jom haScho’aיום השואהHolocaustgedenktag27. Nisan14. April 20264. Mai 202724. April 202812. April 2029
Jom haZikaronיום הזיכרוןGedenktag für gefallene israelische Soldaten und Opfer von Akten des Hasses und Terrorismus4. Ijjar21. April 202611. Mai 20271. Mai 202818. April 2029
Jom haAtzma’utיום העצמאותIsraelischer Unabhängigkeitstag5. Ijjar22. April 202612. Mai 20272. Mai 202820. April 2029
Jom Jeruschalajimיום ירושליםFeier zur Wiedervereinigung Jerusalems
nach dem Sechstagekrieg 1967
28. Ijjar15. Mai 20264. Juni 202724. Mai 202813. Mai 2029

Sonstige Festtage

  • Schabbat (שבת wöchentlicher Ruhetag)
  • Brit Mila (ברית מילה Beschneidung)
  • Bar Mizwa ((בר מיצוה für 13-jährige Jungen) bzw. Bat Mizwa (בת מיצוה für 12-jährige Mädchen) Religionsmündigkeit)
  • Rosch Chodesch (ראש חודש monatlicher Tag der erscheinenden Mondsichel)
  • Nachala (נחלה Jahrzeit)

Fastentage

Fasten bedeutet im Judentum am Fasttag vom Vorabend bis zum Abend des Tages (etwa 25 Stunden, aber nicht länger) nichts zu essen und nichts zu trinken. Auch Rauchen ist untersagt. Als diese „langen“ Fasttage gelten Tischa beAv und Jom Kippur. Es gibt aber auch „kurze“ Fasttage. An ihnen beginnt das Fasten nicht schon am Vorabend, sondern erst mit der Morgenröte, und dauert dann bis zum Einbruch der Nacht. Schwangere und Stillende müssen nicht fasten. Kranke fragen einen Rabbiner, ob Fasten mit ihrer Krankheit vereinbar ist. Fasten sollen Mädchen ab 12 Jahren und Knaben ab 13 Jahren.[5] Aber auch jüngere Kinder sollen an das Fasten herangeführt werden, beispielsweise indem sie sich nicht unbedingt „satt“ essen und auf Süßigkeiten verzichten. Brautpaare fasten am Hochzeitstag ab dem Morgengrauen bis nach der Hochzeitszeremonie und legen ein Sündenbekenntnis ab. Der Tag der Trauung ist als persönlicher Versöhnungstag, als persönlicher Jom Kippur, gedacht, an dem alle Sünden vergeben werden und die beiden ganz neu anfangen dürfen.[6]

Fastentage
Name des TagesHebräischTag im Monat2025/20262026/202720282028/2029
Assara beTevetעשרה בטבת10. Tevet30. Dezember 202520. Dezember 20269. Januar 202828. Dezember 2028
Ta’anit Esther
Esther-Fasten
תַּעֲנִית אֶסְתֵּר11. Adar2. März 202622. März 20279. März 20289. März 2029
Fasten der Erstgeborenen
Ta'anit Bechorot
תענית בכורות14. Nisan1. April 202621. April 202710. April 202826. März 2029
Schiwa Assar beTammusשבעה עשר בתמוז17. Tammus2. Juli 202622. Juli 202711. Juli 202824. Juli 2029
Tischa beAvתשעה באב9. Aw23. Juli 202612. August 20271. August 202822. Juli 2029
Zom Gedalja
Fasten Gedalja
צוֹם גְּדַלְיָה3. Tischri14. September 20264. Oktober 202723. September 202812. September 2029
Jom Kippur*יוֹם כִּפּוּר10. Tischri21. September 202611. Oktober 202730. September 202819. September 2029
Sigd (Beta Israel)סיגד29. Cheschwan9. November 202629. November 202718. November 20287. November 2029

* Jom Kippur ist der einzige Fasttag, der auch an einem Schabbat begangen wird – die anderen Fasttage werden verschoben, sollten sie auf einen Schabbat fallen.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Der Jüdische Kalender und die Zuordnung zu den Festtagen JuedischesJahr.jpg; pic_WILAT_Fest_1.jpg
  2. Jüdisch oder gregorianisch?, Jüdische Allgemeine, 11. März 2021. Abgerufen am 3. Juni 2021.
  3. Jüdischer Kalender – jüdisches Jahr, jüdische Feier- und Gedenktage: Pessach. In: Zentralrat der Juden in Deutschland: zentralratderjuden.de. Abgerufen am 6. April 2018.
  4. Rabbiner Avraham Radbil: Wieso, weshalb, warum. Isru Chag Der Tag unmittelbar nach einem der drei Wallfahrtsfeste Pessach, Schawuot und Sukkot wird als Isru Chag bezeichnet. Jüdische Allgemeine, 6. Juni 2016, auf juedische-allgemeine.de [1]
  5. Fasttage. In: de.chabad.org. Chabad-Lubawitsch Media Center, abgerufen am 2. Mai 2024.
  6. Die jüdische Trauung, Israelnetz, 20. Mai 2008. Abgerufen am 7. Januar 2023.