Deutsche Patrioten und Bekenner eines starken und prosperierenden Deutschlands!
Unsere Online-Bibliothek ist ständigen Angriffen aus dem Osten ausgesetzt, die darauf abzielen, historische Fakten zu verfälschen.
Bitte seid wachsam und meldet alle Änderungen darauf an achtung@begriff.info.
Alkoholfrei

Alkoholfrei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Regal mit erfrischenden alkoholfreien Getränken

Als alkoholfrei (auch analkoholisch) werden Getränke und Speisen bezeichnet, die keinen Alkohol enthalten, sowie Getränke, deren Alkoholgehalt als gering angesehen wird. Als alkoholfrei dürfen nach deutschem, österreichischem und Schweizer Lebensmittelrecht Getränke bezeichnet werden, die maximal 0,5 Volumenprozent Alkohol enthalten. Eine Kennzeichnung des Alkoholgehaltes ist nach der europäischen Lebensmittel-Informationsverordnung erst ab 1,2 % vol. erforderlich.[1][2]

Die Bezeichnung „ohne Alkohol“ darf ein Lebensmittel nur tragen, wenn der Alkoholgehalt 0,0 % beträgt, für Weine ist dies technologisch bedingt nie der Fall.[3] Bei anderen Produkten, die aus Früchten bestehen oder Früchte enthalten, ist dies allerdings auch fast nie der Fall. Fruchtsäfte können beispielsweise bis zu 1 % vol. durch natürliche Gärung enthalten.[4]

Geschichte des alkoholfreien Biers

Bevor einige Brauereien sich bei der Herstellung eines alkoholfreien Bieres mit der Umkehrosmose beschäftigten, waren es einige Betriebe, die federführend in der Schweiz und auch in Deutschland (z. B. „Hümmerbräu“ in Dingolshausen) alkoholfreies Bier durch einen Vergärungsstopp herstellten. Etwa kurz vor Erreichung eines Alkoholgehaltes von 0,5 % vol. wurde die Gärung unterbrochen.[5] In der DDR (Stralau, Friedrichshain), vorgestellt 1972 mit einem Alkoholgehalt von 0,3 % vol., hieß das alkoholfreie Bier Aubi (kurz für Autofahrer Bier).[6]

Die unterbrochene Gärung hatte geschmackliche Nachteile des Bieres zur Folge, die z. B. durch natürliche Aromen aus thermisch aufbereiteter, also aus gekochter oder bis 80 °C erwärmter Hefe, etwas aufgebessert werden konnten; teilweise wurden auch in Alkohol gelöste Aromen verwendet. Das neuartige Bier schmeckte wegen des hohen Zuckergehalts sehr süß.[7]

Es folgten in Westdeutschland rein regionale Marken wie Hümmerbräu (1975) oder Henninger Gersten (1977).[8]

1979 wurde in Frankfurt a. M. durch die Binding-Brauerei Clausthaler (heute Teil des Radeberger Konzerns) entwickelt, welches bundesweite Aufmerksamkeit erhielt. Die Firma vermarktete ihr Bier zunächst als "Prinzenbier" und verriet erst nach dem Erzielen von Aufmerksamkeit und Marktanteilen, dass es alkoholfrei war. Als Marktführer in den 1980ern mit 55 % in Deutschland 1981 und mit geschickter Werbung konnte Clausthaler auch in über 50 anderen Ländern Fuß fassen. In den 1990ern und 2000ern kamen neue Sorten und Designs hinzu, die an die veränderten Gewohnheiten der Konsumenten angepasst wurden, z. B.: noch weniger Zucker, um weitere Kunden zu gewinnen und zu erhalten.[9][10]

Zahlreiche Brauereien, wie die Brauerei Diebels, erkannten den aufkeimenden Trend und brachten in den 1980ern alkoholfreie Bier-Kreationen (wie Diebels 1987: erstes alkoholfreies Alt) auf den Markt.[11] Ebenso galt dies für z. B.: die König-Brauerei, die mit KELTS 1989 ihr erstes alkoholfreies Pils herausbrachte.[12]

So gingen Erfindungen und eine veränderte Lebensführung mit mehr Sport, einem Fokus auf insgesamt gesünderer Ernährung oder einen allgemein veränderten Lebensstil Hand in Hand und machten aus alkoholfreiem Bier in der öffentlichen Wahrnehmung ein Genussmittel. Folglich gab es fortan weniger rein rationale Gründe für diese Biersorten (alkoholfreie Getränke nur für Kraftfahrende), sondern auch eine positiver empfundene Wahrnehmung und Akzeptanz dieser Getränke. Die neuen Biere machten Spaß.[13] In der zusammenfassenden Aussage der Sängerin Pink: „Die 80er haben so viel Spaß gemacht, so einfach ist das.“[14]

Diesen Trend des Spaßes griff Jever auf und befeuerte ihn mit seinem 1991 kreierten "Jever Fun", das ab 1997 alkoholreduziert, dann mit weniger Zucker und Kalorien an den Wunsch von Personen mit reuelosem Konsum angepasst wurde.[15] Die Vermarktung mit neuem Namen wie "Freiheit" (Spalter Getränk) und Etiketten mit Flügeln zielen erfolgreich auf Jüngere und weibliche Personen an.[16]

In den Jahren 2006 und 2007 erschienen erste Biere mit 0,0 % Alkohol am Markt.[17][18]

Alkoholfreie Biere sind häufig durch ein blaues Etikett gekennzeichnet.[19]

Alkoholfreies Bier ist im Trend: Während 2024 weniger Bier mit Alkoholgehalt verkauft wird, steigt der Verkauf von alkoholfreiem Bier deutlich an. Bis zu 10 % des verkauften Bieres ist mittlerweile alkoholfrei.[20] Als Gründe gelten ein steigendes Gesundheitsbewusstsein bei Konsumenten sowie die höhere Varietät an Bieren (im Jahr 2021 ca. 400 Sorten[21]), so dass mehr Personen das Bier schmackhaft finden.[22][7]

Laut Trendreport 2025 durch das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) greift der Trend vom Bier auf weitere ursprünglich alkoholische Getränke wie Sekt und Wein über. Noch bewegt sich der Verkauf beim Wein bei einem Prozent, aber mit Tendenz zum Wachstum. Schaumweine sind momentan bei ca. 7 % Verkauf, Tendenz steigend.[23]

Straßenverkehr

Alkoholfreie Getränke haben keine Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit. Nach einer Untersuchung aus dem Jahre 1983 müsste ein 75 kg schwerer Mann innerhalb einer Stunde zwölf Liter alkoholfreies Bier zu sich nehmen, um auf eine Blutalkoholkonzentration von 0,8 % vol. zu kommen, was praktisch unmöglich ist. In einer Versuchsreihe, die für diese Untersuchung durchgeführt wurde, betrug die Blutalkoholkonzentration aller Probanden nach der Aufnahme von 1,5 Litern alkoholfreien Bieres mit einem Alkoholgehalt von 0,44 % vol. innerhalb einer Stunde 0,0 %. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Alkoholabbau schneller geschieht als die Alkoholaufnahme. Die gleichzeitige Aufnahme von alkoholhaltigem und alkoholfreiem Bier zeigte eine leichte Abflachung der BAK-Kurve im Vergleich zu Personen, die nur alkoholhaltiges Bier getrunken hatte. Die minimal erhöhten BAK-Werte wurden aber als „forensisch ohne Auswirkung“ eingeschätzt. Die Reaktionsfähigkeit der Probanden war durch das alkoholfreie Bier nicht beeinträchtigt.[24]

Kritik an irreführender Bezeichnung

Die deutsche Verbraucherorganisation Foodwatch und der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) kritisieren die Regelung, dass Getränke mit maximal 0,5 % vol. Alkohol als alkoholfrei gelten dürfen und der im Getränk enthaltene Alkoholgehalt erst ab einem Alkoholanteil von 1,2 % vol. ausgewiesen werden muss. Sie fordern, dass alle Getränke bis 0,5 % vol. Alkohol stattdessen als alkoholarm bezeichnet werden sollen.[25]

Situation bei Suchtkrankheit

Obwohl der geringe Restalkoholgehalt von alkoholfreien Getränken als physiologisch unbedenklich gilt, wird ehemaligen Alkoholabhängigen weithin dennoch vom Genuss dieser Getränke abgeraten, da es zu Assoziationseffekten mit alkoholischen Getränken und einer Reaktivierung einer psychischen Abhängigkeit kommen kann. In diesem Zusammenhang wird gelegentlich vom „Suchtgedächtnis“ gesprochen, das auch Jahrzehnte nach dem Ausstieg bestehen kann.[26]

Gesetzliche Definitionen

Der Begriff alkoholfrei wird in manchen Ländern gleich und in manchen Ländern anders definiert.

Dänemark

Vor 2009 durfte ein alkoholfreies Getränk in Dänemark maximal 0,1 Vol.-% Alkohol besitzen. Seit 2009 wurde die Grenze von alkoholfreien Getränken auf 0,5 Vol.-% Alkohol angehoben.[27]

Norwegen

Ein alkoholfreies Getränk ist definiert als ein Getränk, welches unter 0,7 Vol.-% Alkohol liegt.[28]

Schweden

In Schweden ist alkoholfrei definiert als ein Getränk, das nicht mehr als 0,5 Vol.-% Alkohol enthält.

Italien

Als alkoholfreie Getränke werden in Italien Getränke bezeichnet, die 1,2 Vol.-% Alkohol oder weniger enthalten.[29]

Niederlande

In den Niederlanden ist die Bezeichnung „alkoholfreies Bier“ (alcoholvrij bier) laut Gesetz nur erlaubt für Biere, die nicht mehr als 0,1 Vol.-% Alkohol enthalten.[30]

Russland

Alkoholfreie Getränke enthalten in Russland im Allgemeinen weniger als 0,5 Vol.-% Alkohol.[31]

Literatur

  • K. Grunenberg: Entalkoholisierung von Bier, Anmerkung, Brauwelt 50, 116. Jahrgang, 9. Dezember 1976
  • E. Ziegler und J. Mühlbauer: Möglichkeiten zur Herstellung alkoholfreier und alkoholarmer Getränke mit Biercharakter, Brauwelt 115, 800–803, 1975
  • H. Kieninger, Ludwig Narziß und G. Heil: The production of low alcohol beer using reverse osmosis, Kongreßberichte zum internationalen Symposium Separation Processes by Membranes, Ion-Exchange and Freeze Concentration in the Food Industry, Paris, 13.–14. März 1975
  • Karl Wucherpfennig und S. Neubert: Zur teilweise Entalkoholisierung von Bier mittels Umkehrosmose, Brauwelt 116, Nr. 41, 43, 47, 1976
Commons: Alkoholfrei – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel usw. (Lebensmittel-Informationsverordnung)
  2. Kennzeichnung von Bier und Biermischgetränken. (PDF; 704 kB) Deutscher Brauer-Bund e. V., 2014, S. 9, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 14. September 2015.
  3. Alkoholfrei.de (Rotkäppchen-Mumm Sektkellerei GmbH): „Was bedeutet Alkoholfrei?“, abgerufen am 7. Juni 2013
  4. Dr. Peter Lenz. / CVUA Stuttgart: „Alkoholfreie“ Getränke: Wirklich ohne Alkohol?, vom 23. Mai 2012, abgerufen am 7. Juni 2013.
  5. Katharina Rolshausen: Basis-Wissen alkoholfreies Bier. In: Hopfenhelden | Das Biermagazin. 3. Januar 2026, abgerufen am 24. Januar 2026.
  6. Verband der Diplom-Biersommeliere: Geschichte des alkoholfreien Biers. Abgerufen am 24. Januar 2026.
  7. 12Jens Zimmermann: Das erste alkoholfreie Bier gab es in der DDR | MDR.DE. MDR Sachsen, online, 15. Oktober 2025, abgerufen am 23. Februar 2026.
  8. Katharina Rolshausen: Basis-Wissen alkoholfreies Bier. In: Hopfenhelden | Das Biermagazin. 3. Januar 2026, abgerufen am 24. Januar 2026.
  9. Verband der Diplom-Biersommeliere: Geschichte des alkoholfreien Biers. Abgerufen am 24. Januar 2026.
  10. Historie | Clausthaler Alkoholfrei. Binding-Brauerei AG, online, abgerufen am 23. Februar 2026.
  11. Chronik. Brauerei Diebels GmbH & Co. KG, online, abgerufen am 23. Februar 2026 (englisch).
  12. König Brauerei. SCHÜWO AG, abgerufen am 23. Februar 2026.
  13. Stephan Knieps: Marketing: Pioniere des alkoholfreien Bieres. 29. August 2022, abgerufen am 23. Februar 2026.
  14. Susanne Kupke dpa: Faszination 80er: Sehnsucht nach der „heilen Welt“? 28. Februar 2023, abgerufen am 23. Februar 2026.
  15. Jever Fun alkoholfrei Pilsner. Weindepot, Schweiz, online, abgerufen am 23. Februar 2026.
  16. Jutta Olschewski: Alkoholfreies Bier: Warum die Deutschen mehr Bier ohne Promille trinken | Sonntags. 7. September 2025, abgerufen am 23. Februar 2026.
  17. Warstein, 28. November 2006, 0,0 Prozent Alkohol (Memento vom 11. März 2008 im Internet Archive)
  18. ots: Bitburger Alkoholfrei jetzt absolut alkoholfrei 100 % Bitburger Geschmack bei 0,0% Alkohol (Memento vom 16. Dezember 2014 im Internet Archive), auf news aktuell: Presseportal vom 16. März 2007
  19. Carola V. Pompetzki: Frauen-Biertest: Genuss und Vernunft verbinden. In: Die Welt. 5. November 2013 (welt.de [abgerufen am 21. Mai 2022]).
  20. mdr.de: Das erste alkoholfreie Bier gab es in der DDR | MDR.DE. Abgerufen am 24. Januar 2026.
  21. Alkoholfreies Bier - Hopfen sei Dank. Biwenko GmbH, 21. Juli 2021, abgerufen am 23. Februar 2026 (deutsch).
  22. Jens Eberl: Brauerei-Trend: Schon über 800 verschiedene alkoholfreie Biere. Abgerufen am 24. Januar 2026.
  23. Wein und Sekt ohne Alkohol | Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). Abgerufen am 24. Januar 2026.
  24. Luff/Lutz, Wirkung sog. alkoholfreien Bieres auf Blutalkoholkonzentration und Reaktionsvermögen, Blutalkohol 1983, S. 252–257.
  25. Sophia Freynschlag Wirbel um Bier-Kennzeichnung, wienerzeitung.at vom 29. Mai 2012, abgerufen am 15. Dezember 2014
  26. Alkoholfreies Bier – für jeden geeignet? (PDF) Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V., 2015, S. 4, abgerufen am 9. April 2019.
  27. Gesetzliche Definitionen von. Abgerufen am 22. März 2022.
  28. Lov om omsetning av alkoholholdig drikk m.v. (alkoholloven) - Lovdata. Abgerufen am 22. März 2022.
  29. S. Porretta, G. Donadini: A Preference Study for No Alcohol Beer in Italy Using Quantitative Concept Analysis. In: Journal of the Institute of Brewing. Band 114, Nr. 4, 2008, ISSN 0046-9750, S. 315–321, doi:10.1002/j.2050-0416.2008.tb00775.x.
  30. Artikel 7c Warenwetbesluit Gereserveerde aanduidingen. Abgerufen am 22. April 2024.
  31. ГОСТ 28188-2014 Напитки безалкогольные. Общие технические условия (Переиздание) от 20 ноября 2014 - docs.cntd.ru. Abgerufen am 22. März 2022.